Über die Nachtschwärmer

Herbst 1985. Die Keimzelle der Nachschwärmer saß im Interzonen-Zug auf der Rückfahrt von einem abenteuerlichen Besuch der DDR zurück in den „goldenen“ Westen. Bei einem Fässchen Bier in feucht-fröhlicher Runde entsprang der Gedanke: Hey, wir starten einen Zug. Nicht zwischen Neuss und Leipzig, sondern vom Markt sollte er starten und fortan jährlich seine Runde über die Neusser „Gleise“ ziehen. Nicht was vielleicht jetzt kleine Jungen und eisenbahnbegeisterte Väter denken, nein, ein Schützenzug sollte es werden. Die Zugkräfte, die Dampf machten, waren Herwarth Glinski, Peter Götzen, Harald Hausbeck, die Gebrüder Lieven, Arnold Napp-Saarbourg, Oliver Schulze, Jürgen Skuda und Uli Toholt.

Angehängt hatte sich dann von Jahr zu Jahr der Rest. Die Zuggattung wurde heftig diskutiert. Die Schluckspechte wollten einen Bummelzug, der an jedem Bierzelt Halt macht, die Dynamiker plädierten für einen Eilzug. Doch in der Verfassung des Neusser Bürger-Schützen-Vereins gab es solche Zuggarnituren nicht. Der postpubertäre Kreis entschied sich dann auf der ersten Zugversammlung im Wartesaal des „Marienbildchens“ für das Corps der Schützenlust. Lust ist immer gut, lustig waren die frühen Nachtschwärmer sowieso – da war die Entscheidung schnell getroffen. Die Namensfindung für den Zug selbst war dann schon heftiger umstritten. Die Idee „Zugvögel“ war schon ganz passend, denn die meisten waren beruflich oder studienbedingt in alle Himmelsrichtungen ausgeschwärmt, kamen aber immer gerne Ende August zu einem ganz bestimmten Ereignis an ihre Brutstätte zurück. Nun sieht man Zugvögel ja eher am Tag in strenger Formation, wir sahen uns aber lieber nachts ausschwärmen.

Ausschwärmen – das war´s: Unser Biologe Jürgen Skuda, welcher der erste Leutnant des Zuges werden sollte, kam auf die Idee, den Zug „Nachtschwärmer“ zu nennen. Die anderen Schützenbrüder sahen weniger einen Bezug zu dem Falter aus dem Tierreich, sondern eher Parallelen zu ihren eigenen nächtlichen Aktivitäten: Disco-Gänger, Late-Night-Seher, Vollmond—Büffler, Nachtparadierende … Der Zusatz „Nüsser“ war ja schon fast obligatorisch, wie hätten wir uns denn sonst von anderen Spezies unterscheiden sollen. Dass die Besetzung des Zuges öfter gewechselt wurde und sich dadurch die Zahl der Mitglieder oftmals am Rande der Mindeststärke bewegte, sei hier nur noch mal der Vollständigkeit halber erwähnt. Nachtschwärmer sind halt flatterhaft. Zum 25. Jubiläum im Jahr 2010 zählt der Zug aber standesgemäß eine Viertelhundertschaft.

Uli Toholt, heute Objektleiter des erfolgreichen Magazins „Landlust“ erinnert sich: „Die ersten Jahre waren sicherlich die schönsten. Die Bälle und Feste rund um das Schützenfest wurden noch unverheiratet exzessiv gefeiert. Es endete häufig auf oder unter den Tischen – meistens im Sektzelt. Heute dagegen marschieren wir nicht mehr aus dem Zelt gleich zur Parade.“

Die älteren, ungestümen Nachtschwärmer sind heute etwas ruhiger geworden, haben sich zum Teil mehrfach fortgepflanzt und stehen in ganz Europa ihren Mann. Aber sie schwärmen immer noch vom und vor allem zum Schützenfest in die Vaterstadt Neuss zurück.

Jahre aktiv
Marschierer 2018
Zugnummer 2018

Die Nachtschwärmer

Das sind die Nachtschwärmer.

Oberleutnant

Jörg Geerlings

Leutnant

Peter Krupinski

Spieß

Jochen Heide

Lars Becker

Matthias Braun

Alexander Dierselhuis

Gernot Dohmann

Thomas Ewert

Oliver van Gehlen

Frank Görlitz

Christian Hahn

Harald Hausbeck

Markus Hölters

Stephan Hüppeler

Thomas Kattner

Jens Küsters

Stephan Lommetz

Frank Möll

Andreas Neuenhausen

Sven-Joachim Otto

Herwarth Reuter

Marc Röhrkasten

Notker Schmitz-Schachner

Rolf Schavan

Stefan Schumacher

Alexander Stuve

Hartmut Tetzner

Ulrich Toholt

Rudolf Welzel

Thomas Zenke

“Soviel Disziplin wie nötig – soviel Freud‘ wie möglich” — Jochem Dammer